Therapie:

1-3% der Allgemeinbevölkerung erkrankt im Laufe des Lebens an einer Zwangsstörung. Charakteristisch ist ein schleichender Beginn um das 20. Lebensjahr. Betroffene versuchen lange Zeit ihre Symptome zu verbergen und begeben sich meist sehr spät in eine Behandlung. Chronische Verläufe sind daher sehr häufig.

Die Verhaltenstherapie ist die wirksamste Behandlungsform gegen Zwänge.

Jeder Behandlung geht eine genaue Diagnostik voraus. Diese erfordert unter anderem eine fundierte Analyse der Zwangsgedanken und Rituale. Dabei kommt es meist auch zum Einsatz von spezifischen psychologischen Fragebogen. Zudem wird ein individuelles Erklärungsmodell erstellt, welches Einsicht in die Entwicklung der Störung bietet. Dieses berücksichtigt prädisponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren der Krankheit. Es finden biologische, soziale und psychische Einflussfaktoren gleichermaßen Beachtung.

Für eine erfolgreiche Behandlung ist die Frage nach der Funktionalität des Zwanges zentral: Wozu dient der Zwang? Zwangsverhalten ist einer der häufigsten Bewältigungsversuche negativer Gefühlszustände. Ziel im Rahmen der Therapie ist es, das Zwangsverhalten abzulegen und alternative, gesunde Bewältigungsstrategien aufzubauen.

Die therapeutische Beziehung:

Aufbau einer vertrauensvollen wertschätzenden Beziehung zwischen Therapeut und Betroffenem

 

Psychoedukation:

 

Umfassende Vermittlung von krankheitsrelevanten Informationen.

 

Exposition mit Reaktionsmanagement (ERM) bei Zwangshandlungen:

 

Der Patient/Die Patientin wird mit einem angstauslösenden Stimulus (real oder in der Vorstellung) konfrontiert (Exposition) und darf seine/ihre

Zwangsrituale nicht ausführen.

 

Exposition mit Reaktionsmanagement (ERM) bei Zwangsgedanken:

 

Dabei wird der schlimmste Zwangsgedanke möglichst genau beschrieben. Durch wiederholtes Vorlesen oder Anhören auch zu Hause, gewöhnt

sich der/die PatientIn an die Geschichte und sie verliert ihre Bedrohlichkeit

 

Indirekte Symptomtherapie:

 

Folgende Interventionen können (indirekt) zur Verbesserung der Symptomatik beitragen:

 

• Gibt es Traumata die noch nicht verarbeitet sind?

• Aufbau funktionalerer Bewältigungsstrategien

• Wie sieht es mit ihrem Perfektionismus aus?

• Reduzierung der Angst vor Kontrollverlust

• Bestehende sozialer Defizite und Selbstwertprobleme

• Besserer Umgang/Wahrnehmung von Emotionen

• Verbesserung der Problemlösestrategien

• Verhaltensänderungen

 

Medikamente:

 

Je nach Art und Schwere der Zwänge kommt zusätzlich eine Therapie mit Medikamenten in Frage. Wirksam sind die sogenannten

Serotonin Wiederaufnahmehemmer. Betroffenen helfen sie, Abstand zu den Zwängen zu bekommen, die innere Anspannung zu senken und die

Stimmung zu verbessern.